Kaffeestarter

 


Ich mochte Kaffee eigentlich nie so wirklich. Kaffeegeschmack, ja. Schon als Kind fand ich die Kaffee-Sahne-Schoko einfach super. Irgendwann gab’s mal so eine Puddingwolke Cappuccino. Wenn ich mit Omma beim Tschibo war und die da für Omma die Feine Milde durch den Hexler gejagt haben: Whoa! Ich bin ja fast ausgerastet! Was für ein Geruch!
 
Meine Omma … Ja, ich glaub, die ist irgendwie auch ein bisschen verantwortlich. Weiß ich noch, wie sie mal voll den Kaffeeschmacht hatte, aber die Dröppelminna zu lahmarschig war. Da hat Omma einfach mal heimlich mit dem Löffelchen ins Kaffeepulver gelangt und sich’s schmecken lassen. Mama durfte das nicht sehen, die hätte sonst geschimpft. Und ich hab Omma natürlich nicht verpetzt, weshalb sie mich auch ganz lieb mit schwarz-krümeligen Zähnen angeschaut hat. Meine Omma …
 
Das Problem, das ich mit Kaffee immer hatte: Es riecht so gut, als müsse man den Prött wirklich noch bis zum letzten Krümelchen auslöffeln! Aber von dieser Geruchsfantastik war dann doch wenig rüberzuretten, wenn’s in die Schnute ging. Was hab ich mir immer für ne Zungenkirmes vorgestellt! Und dann kam zuverlässig die Ernüchterung.
 
Aber das funktioniert ja wie mit Rosenkohl. Als Kind findet man die grünen Klöpse volle Kanne scheiße! Wenn man dann erwachsen ist und sich noch mal frei von den Kindheitserinnerungen an die kleinen Racker ranwagt … Ähm, ja, dann sind sie nur noch halbe Kanne scheiße – oder für die Optimisten: halbe Kanne ganz okeeee …
 
So war’s jedenfalls mit mir und den Kaffeebohnen.
Irgendwann hab ich beschlossen: Du bist jetzt erwachsen und musst gefälligst auch morgens Kaffee trinken, wenn du nicht irgendwann unter Verstopfung leiden willst.
Ah, Moment, wir wollten ja nicht mehr so tief in dunkle Gefilde vordringen …
Nun gut, jedenfalls hab ich mir einen Kaffeepadautomaten gekauft. Amazon mit seinen Wahnsinnsangeboten whooohooo rund um die Uhr und jeden Tag zeichnet dafür verantwortlich. Aber ich war mit meiner Entscheidung zufrieden.
 
Die Maschine ist also da und ich trinke erst mal gemütlich etwa acht Tassen Kaffee. Überdosis. Ein Kaffeekater ist schlimmer, als zwei besoffene Schädel gleichzeitig! Mir ging’s so dreckig wie die Kaffeekrümelzähne von Omma. Echt, ich hab schon gedacht, ich muss das Teil reklamieren …
 
Nach ein paar Tagen Schonzeit konnte ich dann ganz vernünftig (wie jeder andere Mensch auch) mit dem Kaffeetrinken starten.
Das Gute an so einer Maschine ist ja, dass sie per Knopfdruck gleich so einen herrlichen Kinderkaffee zaubert. Morgens drückt man natürlich zielgenau auf Latte – und schwupp steht da ein Käffchen mit prinzessinnenhaftem Schaumkrönchen vor einem – falls man nicht vergessen hat, nen Becher drunterzustellen …
 
Ich hab mich also ein oder zwei Jahre lang von Schaumprinzenlatten wecken lassen. Aber eines Tages war dann diese Milchschaumbehälterdüsenvorrichtung im Arsch und ward nie wieder gesehen. Das war die Gelegenheit, um auf der Erwachsenenkaffeeleiter eine Sprosse vorwärts zu kommen.
 
Nein, keine neue Kaffeepadmaschine! Ich wollte RICHTIGEN Kaffee. Die sehen doch auch echt drollig aus, diese süßen kleinen Böhnchen, oder? Leute, die sich voll und ganz auf überteuerte Kapseln oder lieblose Presspads verlassen, kennen diese braunen Knubbelchen ja nur vom Hasenstall. Da wollte ich mich also mal richtig von diesen Unwissenden abheben und auf die Kacke – ähm, halt reinhauen.
 
Also hab ich mir richtige Bohnen gekauft, eine Handmühle wie von Omma und eine FrenchPress. Für alle, die jetzt Fragezeichen sehen:

  • richtige Bohnen = nicht die grünen ausm Glas
  • Handmühle wie von Omma = man muss selbst kurbeln, ohne Strom!
  • FrenchPress = einfaches Glas mit Metallsieb zum filtern von Kaffee (siehe Bild)
  • Und was soll ich sagen? Ich bin jetzt tatsächlich fast erwachsen, was den Kaffeekonsum angeht. An Omma komm ich noch nicht ran, die hat nämlich am Tag zwei bis drei ganze Kannen weggesoffen. Ihr Minnimum lag bei zehn Tassen. Jetzt wundert sich wohl auch niemand mehr, weshalb ich meine Kaffeekarriere gleich mit dem Minimum starten wollte. Dachte halt, das ist normal.
     
    Inzwischen trinke ich morgens etwa drei Becher. So ganz hab ich das Kind in mir noch nicht weg, ein Schuss Milch muss schon sein. Was mir nur Sorgen macht: Ich hab mit einem Glas angefangen … Wenn ich so weitermache, hole ich Omma noch ein!
     

     
    Nachtrag:
    Wie man den Kaffeekonsum klammheimlich steigert, kann man in meinem kleinen Ratgeber zur Kaffeesucht lesen.

     

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