Selbst ist der Köter

 


Also diese LMAA-Firmen gehen mir doch zunehmend auf den Zeiger. Natürlich ist es nervig, wenn man viele Kunden hat. Heutzutage ist ja der Kunde halt nicht mehr DER KUNDE, sondern ein Mensch mit ganz eigenen Vorstellungen von Service. Unangenehm! Wenn das nicht mal ein guter Grund ist, diesen eigenköpfigen Kunden die Krone vom Haupt zu schlagen!
 
Der Kunde als König ist ja ausgestorben. Heute gibt’s eher den nervigen Köter, der höchstens kleine Geldhäufchen scheißen darf. Aber dazu soll er gefälligst erst mal lernen, sich mit einem Nasenstüber selbst die Tür zu öffnen, danach durch ein labyrinthartiges Auswahlverfahren zu tapsen, um am Ende nach etwa drei Hundeleben ganz eigenenständig den Service für sich selbst zu organisieren, für den früher mal ein Angstellter zuständig war.
Ja doch, es ist ein bisschen so, als ginge man ins Restaurant, müsse dort die Hufe auf ein Trittbrett setzen, damit von oben das Fresschen in den Napf plumpst.
 
Weil also die gute Post meinen lieben Postjungs vom Schalter gleich reihenweise kündigt, stehen die Kunden nicht selten bis draußen auf die Straße an. Mitunter hab ich schon zwischen zwanzig und dreißig Minuten gewartet, um endlich ein Einschreiben aufgeben zu können. Logisch, dass ich mich dann doch für die Selbst-ist-der-Köter-Variante entscheide.
Also drucke ich mein Porto hier zu Hause online aus. Da muss ich nur noch am Briefkasten vorbeilaufen und weg damit, fertig. Das ist übrigens der Briefkasten direkt vor der Post, für den es vor nicht allzu langer Zeit noch eine Spätleerung gab. Aber es muss halt überall gespart werden …
 
So, da bin ich also, inzwischen vom Kunden quasi zum Mitarbeiter der Deutschen Post befördert. Die meisten Leute merken es ja gar nicht, weil das so normal geworden ist, aber tatsächlich handelt es sich nun nicht wirklich um Service, wenn man als Kunde alles selbst machen muss, oder? Nun ja, will mal nicht so sein. Ich drucke mir mein Porto für eine Buchsendung aus. Natürlich braucht es dafür einen Drucker, den entsprechenden Toner, auch selbstklebende Etiketten … All das kann man praktischerweise gleich bei der Post kaufen. Wenn das nicht mal ein Clou ist! Ein ganz neuer Geschäftszweig:

Wir machen dir den echten Service so unbequem, dass du lieber alles selbst machen willst. Und damit das für dich so einfach wie möglich ist, verkaufen wir dir neben dem Porto noch das Material dafür!

Das verwundert uns jetzt nicht wirklich, dass man auf der Seite für den Online-Portodruck die eigentliche Funktion fast schon suchen muss, weil man mit Werbung für überteuertes Büromaterial zugeballert wird, oder?
 
Nun gut, man ist genervt, aber man gewöhnt sich dran.
Und dann liegt das Buch, das man auf diese Weise korrekt frankiert und abgeschickt hat, ein paar Tage später wieder im Briefkasten!

Empfänger nicht zu ermitteln.

Was? Nein-nein, die Adresse ist korrekt. Ich gucke, ich prüfe, ich frage nach. Bestätigung vom Empfänger: Ist richtig, funktioniert seit Jahren – eigentlich …
 
Was nun? Da hat sich die Post so ein tolles System ausgedacht, mich ans Arbeiten zu bringen, aber nun versagt sie in ihrer Kernkompetenz? Ich will mal nicht so streng sein, das kann passieren. Der Großteil aller Postsendungen kommt ohne Probleme an. Dass in letzter Zeit öfter mal was schiefläuft – Zufall! *nick*
 
Tja, und nun kommen wir zum Hauptproblem der LMAA-Firmen:
Es funktioniert etwas nicht wie vorhergesehen und man will Kontakt aufnehmen. Uuh, ganz schlecht! Bei Problemen gibt’s noch keine Möglichkeit, das irgendwie von Kunden selbst regeln zu lassen, oder? Gut, manche Firmen sind so pfiffig und lassen ihre Kunden in Foren selbst diskutieren und nach Lösungen forschen. Aber die Post ist da noch einen Schritt hinterher und setzt auf den üblichen Trick: Ignorieren-ignorieren-ignorieren bis es von selbst verschwindet …

In der Praxis bedeutet das, dass man den mitarbeitenden Kunden so lange gängeln muss, bis er von selbst aufgibt! Man lockt ihn von A nach B, verspricht Großes, versteckt sich selbst aber bestens. Es ist eine Art Solitär. Ganz wichtig ist es aber, den direkten Kontakt unbedingt zu vermeiden! Lieber gibt man eine Reihe von üblichen Fragen vor, anhand derer man die Kundenköter durch ein lustiges Spielchen führt. Am Ende soll dann die Lösung quasi als Gewinn winken. Tatsächlich ist der einzige Gewinn der, dass die LMAA-Firma ihre Ruhe hat!

Aber ich bin blöd, ich falle drauf rein. Das liegt auch am Energieschub durch den Ärger. Immerhin bin ich ja gerade ums Porto geprellt worden. Derart motiviert versuche ich also mein Glück …
 
Ich habe natürlich kein Glück!
Selbstverständlich hat die Post nicht damit gerechnet, dass es ein solches Versagen ihrerseits überhaupt geben kann. Vielleicht ist es sogar Absicht, dass die Möglichkeit, dass korrekt adressierte und frankierte Briefe nicht zugestellt werden, erst gar nicht auftaucht. Was sollen denn die Kunden denken, die noch nichts zum Rumkötern gefunden haben? Womöglich brächte man die erst auf Ideen, dass man als Post gar nicht so zuverlässig ist, wie man gern rüberkommen will.

Ich bekomme auf meine Frage nach zu Unrecht returnierten Sendungen entsprechend drei unpassende Antworten angezeigt. Game over?

Nein! Direkt darunter lockt mich der Joker weiter: Kein passender Treffer dabei? Ja, Mensch, sollte es tatsächlich noch eine Lösung geben für mich? Ich klicke – und lande wieder am Anfang des blöden Spiels: Können wir Ihnen weiterhelfen?
 
Damit steht fest: Die Post lügt! Offenbar können sie einem nicht nur nicht helfen, sondern wollen es auch gar nicht! Und jetzt? Hmm … Bleibt wohl nichts anderes übrig, als noch mal Porto zu drucken und das Buch erneut an exakt dieselbe Adresse zu schicken. An den Schalter brauche ich jedenfalls nicht gehen. Nach zwanzig bis dreißig Minuten Wartezeit wird man mich wie üblich achselzuckend an den Kundenservice verweisen …
 
Also eins weiß ich: Als Mitarbeiter der Deutschen Post hat man es nicht leicht!

 

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